Webbär – das kleine Webmagazin

22.Juli 2009

Denken, Wissen, Glauben und Wahrheit

Nur Lebewesen denken, das Leben ist die Voraussetzung dafür, dass bestimmte Leistungen als Denken bezeichnet werden können, Taschenrechner und Tischcomputer denken nicht.

Cogito, ergo sum.

Besser heißt es „Etwas denkt, also ist etwas.“, da unklar ist, wie die singuläre erste Person beschaffen zu sein hat, dennoch lag Descartes nicht falsch. Das an das Sein beziehungsweise an das Leben gebundene Denken folgt immer der Anforderungslage des Lebendigen.

Wissen

„Wir wollen nicht glauben, wir wollen wissen.“ (Marsellus Wallace, Pulp Fiction)

Isaac NewtonAlbert EinsteinDenken befähigt zum Wissen; Wissen im Sinne einer modernen funktionalistischen Wissenschaft erlaubt Prognosen und fördert die zivilisatorische Entwicklung. Wissen ist nicht absolut und nur selten wahr, es funktioniert einfach. Funktioniert es irgendwann einmal nicht mehr, wie beispielsweise die Newtonsche Physik, dann wird das Wissen angepasst. Wahrheit gibt es im Bereich der Wissenschaft beispielsweise in der Mathematik oder in der Philosophie, meist wenn Umformungen Wissen beweisen können, dabei wird allerdings immer in einer eigenen Welt gearbeitet, die sich von der realen Welt, die keine Wahrheit zu kennen scheint, unterscheidet.

Machen wir ein kleines Experiment und nehmen einen Kugelschreiber in die rechte Hand, begeben uns in stehende Position und fragen uns was passieren wird, wenn wir die Hand öffnen. Korrekt! Wir wissen, dass der Kugelschreiber zu Boden fallen wird (und referenzieren dabei wahlweise Teile der Newtonschen oder der Einsteinschen Physik). Q: Ist es aber sicher, dass der Kugelschreiber fallen wird? A: Nein.

Glauben

Stephen HawkingDie hohe Komplexität des Weltsystems zwingt uns zum Glauben, da wir nicht alle Herausforderungen mit Hilfe der Wissenschaft bearbeiten können. Sicherlich hilft uns die Wissenschaft, beispielsweise die Soziologie (beziehungsweise die dort angewendete Spieltheorie) bei der Bearbeitung schwieriger ethischer Fragen, aber irgendwann muss gesprungen und geglaubt werden. Das ist beispielsweise so bei den Menschenrechten, bei der Präferenz bezüglich der Gesellschaftsmodelle und bei der Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Es gibt hier eine Grauzone zwischen Wissen und Glauben, die in der Politik zurzeit sehr schön am Beispiel des Klimawandels feststellbar wird: Politisch gewordene Wissenschaftler entwickeln mit spekulativen Modellen beträchtlichen Einfluss.

War das jetzt ein Plädoyer für den Glauben? Nein, eher nicht, Marsellus Wallace lag schon richtig, es sind die wissenschaftlichen Modelle, die dermaßen weiterzuentwickeln sind, dass sie auch komplexe Sachlagen bearbeiten können; das wird aber dauern (und es werden immer neue Herausforderungen entstehen).

Wahrheit

Wahrheit ist selten, sie entsteht entweder aus Umformungen in von Menschen eigens erfundenen Welten oder sie ist ein sehr seltener Begleiter des Menschen. Fällt Ihnen eine Aussage ein, die wahr ist?

Es gibt wohl die Urwahrheit „Etwas ist.“, der Webbär sieht hier allerdings nur wenige Möglichkeiten zum Honigsaugen (Am Rande: Der Urwahnsinn folgt einem „Etwas ist nicht.“.).

Atheismus

Richard DawkinsAbschließend noch einige wenige Zeilen zu unseren atheistischen Freunden:  Der im Initialbeitrag dieses Inhaltsangebots geäußerten Kritik ist eigentlich kaum etwas beizufügen. Sinnvolle Kritik am Glauben ist schwierig [1], gerade dann, wenn die Glaubensmenge konsistent (in sich widerspruchsfrei) ist und auf Es-gibt-Sätzen beruht. Wissenschaftlich gehaltene Kritik, in Deutschland ist hier Gerd Lüdemann (Kostprobe) zu erwähnen, auf internationaler Ebene Richard Dawkins, der lustigerweise tatsächlich „Ich schätze die Wahrscheinlichkeit der Existenz Gottes auf etwa zwei Prozent.“ zu Protokoll gab, ist fast wirkungslos und dem Sozialverhalten oder gar dem Verkauf geschuldet.

Vielen Dank den Kommentatoren und Feedbackern, Vorschlag: Vielleicht sich einfach auch mal an den Zehn Geboten oder am Verhältnismässigkeits-  oder Deeskalationsprinzip (Bergpredigt) erfreuen?!

Bleiben Sie dem Webbären gewogen, beste Grüße!


[1] außer eben politisch gehaltene Kritik, diese ist so notwendig wie sinnvoll, aber wissenschaftlich von geringem Wert

11 Kommentare »

  1. „Sinnvolle Kritik am Glauben ist schwierig [1], gerade dann, wenn die Glaubensmenge konsistent (in sich widerspruchsfrei) ist und auf Es-gibt-Sätzen beruht.“

    Das gilt doch für jedes in sich geschlossene Wahnsystem (übrigens nicht für echte Theorien, vgl. Gödel). Das die Kritik schwierig und oft wirkungslos ist, bedeutet aber nicht, dass die Kritik nicht notwendig ist. Sie ist es nämlich immer dann, wenn das Primat des (demokratischen) Gesellschaftssystem über die Religion angezweifelt oder gar bekämpft wird.

    Aber da sind wir uns – glaub ich – einig, oder?

    Kommentar von Causa Motiva — 22.Juli 2009 @ 12:40

    • Sischer.
      Wissenschaftlich unangreifbare Einstellungen sind politisch zu bearbeiten, siehe auch Fußnote 1.

      Kommentar von webbaer — 22.Juli 2009 @ 12:47

      • Nur damit wir uns nicht falsch verstehen: Jede „komplexere“ Religion ist nicht widerspruchsfrei zu haben. Zumal wenn Sie versucht Aussagen über die Welt zu machen (leider halt nachprüfbar, s. Genesis) oder Einfluss auf dieselbe zu nehmen. Dann wird Sie auch wissenschaftlich angreifbar.

        Der einfache Glaube („Feen wohnen unter meinem Garten“) ist als widerspruchsloses System bastelbar und dann nicht angreifbar, als reine Privatangelegenheit mir aber herzlich egal.

        Kommentar von Causa Motiva — 22.Juli 2009 @ 13:04

  2. Nur Lebewesen denken, das Leben ist die Voraussetzung dafür, dass bestimmte Leistungen als Denken bezeichnet werden können, Taschenrechner und Tischcomputer denken nicht.

    Was werden Sie künftig sagen, wenn es Ihnen geschieht, dass Sie mit mehreren Gegenstellen fernschreiben und auch nach längerer Zeit nicht entscheiden können, welche davon Menschen und welche davon Rechner sind?

    Kommentar von Sch. Licht — 7.August 2009 @ 21:54

    • Das ist bisher nicht passiert, obwohl… 🙂
      Ist das Leben Ihres Erachtens keine Voraussetzung für das Denken?
      OK, wenn nicht, no prob, dann denken Taschenrechner und andere Automaten eben; der Webbär würde aber gerne beim „Rechnen“ bleiben wollen, auch damit Sachen wie das Bewusstsein und Ähnliches gut bearbeitet werden können.

      Kommentar von webbaer — 7.August 2009 @ 22:08

      • Könnte es sein, dass wir aneinander vorbei reden, weil ich mich nicht verständlich gemacht habe? Habe ich von „denkenden“ Taschenrechnern gesprochen?

        Kommentar von Sch. Licht — 7.August 2009 @ 22:47

        • Sie haben ein Beispiel genannt, in dem die Unterscheidung zwischen automatischen und lebenden Kommunikationspartnern unmöglich werden kann, deshalb projizierte der Webbär einen „Angriff“ auf die von Ihnen zitierte Aussage. Nun, wenn Ihre Frage nicht den vermuteten Hintergrund hatte, dann antwortet der Webbär mit einem „Nichts“, er trifft also keine Aussage bzgl. der Gegenstelle.
          Worauf wollen Sie hinaus?

          Kommentar von webbaer — 7.August 2009 @ 23:10

          • Worauf wollen Sie hinaus?

            Wie sicher sind Sie, wenn Sie sagen

            Nur Lebewesen denken…

            ?
            So sicher wie im Fall des Kugelschreibers, der vielleicht nicht fällt, wenn Sie die Hand öffnen?

            Kommentar von Sch. Licht — 7.August 2009 @ 23:21

            • Puh, folgt das nicht der üblichen Definition des Denkens?
              Schischkoff wird bspw. so zitiert: „Unter Denken werden alle Vorgänge zusammengefasst, die aus einer aktiven inneren Beschäftigung mit Vorstellungen, Erinnerungen und Begriffen eine Erkenntnis zu formen suchen, mit dem Ziel, damit brauchbare Handlungsanweisungen zur Meisterung von Lebenssituationen zu gewinnen.“
              Meinte Descartes etwas anderes, wenn er sein Sein aus seinem Denken ableitete?
              Die Anwendung von Definitionen folgt keinen „Sicherheiten“.

              Das Kugelschreiberbeispiel betraf die Anwendung von Wissen. Wobei diese Anwendung scheitern kann, weil Wissen scheitern kann. Dann wird das Wissen angepasst, Wissen ist fast immer unsicher.

              Beste Grüße!

              Kommentar von webbaer — 7.August 2009 @ 23:44

      • Ist das Leben Ihres Erachtens keine Voraussetzung für das Denken?

        Denkt Ihr Gott? War Leben die Voraussetzung dafür?

        Kommentar von Sch. Licht — 7.August 2009 @ 23:04

  3. Da die zugelassene Gliederungstiefe erschöpft zu sein scheint, fangen wir notgedrungen noch mal in Spalte null an.

    Puh, folgt das nicht der üblichen Definition des Denkens?…

    Halten Sie es auch für eine lässliche Sünde, in Ihrem Zitat statt mit „Lebenssituation“ mit so was wie „Existenzsituation“ zu hantieren? Dann enthalten die Denkdefinitionen keinen ausdrücklichen Bezug auf Leben als Voraussetzung?

    Kommentar von Sch. Licht — 8.August 2009 @ 00:05


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