Webbär – das kleine Webmagazin

23.Juli 2009

Rehab-Wort des Jahres: Vorurteil

Filed under: Rehab-Wort des Jahres — Schlagwörter: , , — webbaer @ 07:21

Wir haben uns die Wahl nicht leicht gemacht: Ja, es gab gute andere Kandidaten, doch nach harten internen Diskussionen fiel unsere Wahl letztlich einstimmig aus.

Und das Rehab-Wort des Jahres 2009 ist: Vorurteil

crutchWas hat das Vorurteil, also das Urteil vor dem abschließenden Urteil, semantisch dem Zwischenurteil entsprechend, nur so in Verruf gebracht? Bedenken Sie, dass fast jedes Urteil ein Vorurteil ist, da in der Realität fast nie eine Vollständigkeit der Parameter gegeben ist [1], die ein abschließendes Urteil ermöglicht.

Irgendwann ist das Vorurteil ein Opfer gewisser Modeströmungen geworden: Es wurde irgendwann modisch dem Meinungsgegner nicht mehr vorzuwerfen, dass er irrt, sondern, dass er auf Grund falscher Einstellungen falsch und vorschnell urteilt. In den öffentlichen Debatten hat sich dieses Vorgehen überraschenderweise bewährt: Vorurteile hatten immer die anderen, die zudem auch mit Klischees arbeiteten und denen oft Ressentiments zu unterstellen waren.

Diese Argumentationstechnik beziehungsweise Debattenkultur oder Polemikform erfuhr ihren Höhepunkt in den Siebziger- und Achtzigerjahren. Glücklicherweise ist in den letzten Jahren eine gewisse Vernunft zurückgekehrt und die Sacharbeit rückt langsam wieder in den Vordergrund. Nutzen wir die Chance und entdiskriminieren wir unseren kleinen Freund, das Vorurteil! Denken wir dabei auch ein wenig an die Strukturen (u.a. GfdS) dieser Debattenunkultur, die mittlerweile verfestigt und staatlich gesponsert fast unvermeidbar geworden ist, fachliche Debatten somit unter starker Teilnahme von Linguisten stattfinden, was der Sache naturgemäß oft nicht gut tut.

Treffen wir Vorurteile, wo immer wir können, seien wir uns dabei der Grenzen unseres Urteilsvermögens bewusst, versuchen wir so gut wie wir können zu (vor-)urteilen und lassen uns nicht auf die ganz billige Art und Weise von Leuten, die u.a. dem „SozPäd“-Bereich (im Boot auch so genannte Vorurteilsforscher) entstammen, die Butter vom Brot nehmen!

Isaac NewtonAlle Vorurteile sind Urteile und fast alle Urteile sind Vorurteile, auch wissenschaftliche Schlussfolgerungen sind oft Vorurteile, beispielsweise und nachweislich die Newtonsche Physik.


[1] In der Mathematik, also in einer eigenen Welt, dagegen darf abschließend geurteilt werden, beispielsweise, dass fünf größer ist als null; in der Philosophie darf sich der Fachmann zu einem abschließenden „Etwas ist.“ hinauf schwingen – jeweils „vorurteilsfrei“.

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