Webbär – das kleine Webmagazin

6.August 2009

Seid doof!

Filed under: Feuilleton, Gesellschaft, Wissen — Schlagwörter: , , , , — webbaer @ 17:20

StanLaurelJedes Inhaltsangebot, das ein gewisses Niveau sein Eigen nennt und pflegt, sollte nach Meinung vieler gelegentlich ein intellektuell gehaltenes antielitistische Essay bereit halten, denn aus der Doofheit kommt die Kraft.
Der genauso freundliche und geneigte wie verständige Leser hat sicherlich sofort erkannt, dass „Doofheit“ (vs. Dummheit) geschrieben war, und so wollen wir diese kurz definieren:

Doofheit ist genau dann gegeben, wenn bei der Sacharbeit stark verkürzt wird.

Die Doofheit wurde im Deutschen vor ca. 40 Jahren populär, anfänglich als Teil der Kinder- und Jugendsprache und vorsichtig genutzt, später dann als vollwertiges Synonym für die Dummheit. Das war natürlich semantisch nicht ganz richtig, bedeutet „doof“ (niederdeutsch) doch „taub“ und Komparativ und Superlativ stehen somit nicht bereit – noch heute streiten die Gelehrten, ob es richtigerweise „döfer“ oder „doofer“ oder gar „döwer“ heißt; den Superlativ („am allerdöfsten“ ?) wollen wir an dieser Stelle nicht näher behandeln.

Doofheit wird also umgangssprachlich und metaphorisch genutzt, das heißt es wird nicht Dummheit, sondern mangelhafte Auffassungsgabe unterstellt, wenn jemand als doof bezeichnet wird. In diesem Sinne kann jeder doof handeln und hat wohl auch bereits doof gehandelt. Beispiele: Ein Lehrer wirft morgens die Jutetasche mit den korrigierten Klassenarbeiten in den großen stinkenden Müllcontainer, an Stelle des wohl sortierten Beutels mit den Bioabfällen, oder ein Schüler, der beim Nachbarn während einer Klassenarbeit abschreibt, wobei dieser aber andere Aufgaben bekommen hat, oder ein Steuersünder, der sich selbst angezeigt hat wegen Nichtzahlung der (in früheren Jahren) grundsätzlich nicht vollziehbaren Spekulationssteuer, und zwar bevor BFM Eichel das Bankgeheimnis ausgehebelt hat.

Dennoch ist die Doofheit oft gut und notwendig, wenn es komplexe Sachverhalte zu bearbeiten gilt, die voller Entitäten und komplexer Beziehungen sind. Hier muss dann oft aus zwei Gründen vereinfacht werden, wobei diese Vereinfachung manchmal sogar nachweislich unzulässig ist: 1.) um die Länge des Vortrags dem Kommunikationsmedium angemessen zu halten und 2.) um verstanden werden.

infiniteEs mag auch noch andere Gründe geben gezielt doof zu werden, beispielsweise wenn kurzfristig Handeln erforderlich ist, Gerd Müller oder Jürgen Wegmann lassen grüßen, hier ist aber streitig, ob wirklich Doofheit vorliegt oder nicht doch Verständigkeit. Eine solide Dosis Doofheit empfiehlt sich auch beim so genannten Brainstorming, beim Verkaufsgespräch und beim Leben beziehungsweise Überleben in despotischen und totalitaristischen Systemen.
Weitere Anwendungsfälle der Doofheit wird es geben, der Autor ist fast geneigt den Anwendungsbereich der Doofheit als unendlich groß anzunehmen.

Der freundlichen Leserschaft sei also mitgegeben: Seid (bewusst und gelegentlich) doof!

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