Webbär – das kleine Webmagazin

7.August 2009

Die Treffen der SPD mit der SED in den Achtzigern

Es gab eine Zeit, als es Deutschland, so wie wir es jetzt kennen, noch nicht gab. Der eine oder andere ältere Leser [1] wird sich vielleicht erinnern, dass es einmal den so genannten Ostblock gab, der dem Westen, der damals oft mit der NATO gleichgesetzt worden ist, entgegen stand. Es gab seinerzeit einen Bundeskanzler, der auf Grund seiner Leibesfülle „der Dicke“ [2] gerufen wurde und es gab regelmäßige Treffen der SPD und der SED [3], insgesamt sieben an der Zahl, in denen es um etwas ging. Um was es genau ging, war nie ganz klar, man redete aber und das gemeinsame Reden wurde zu einem Teilziel dieser Treffen erklärt.

Wer regelmäßige Treffen einer sozialdemokratischen Partei mit einer marxistisch-leninistischen Partei als eher unnatürlich empfindet, hat vermutlich Recht, aber die Achtziger waren eine verrückte Zeit: Der NATO-Doppelbeschluss, die AntiAKW-BewegungUdo Lindenbergs Herumschwänzeln bei Erich Honecker und die regelmäßigen Treffen von SPD- mit SED-Vertretern bestimmten das politische Bild oder waren zumindest symptomatisch.

Jedem dieser SPD-SED-Treffen folgte eine gemeinsame Erklärung, die in den Medien verkürzt wiedergegeben wurde (es existierte vermutlich eine zwischen SPD und SED abgestimmte Kurzform der Erklärung), in schwer verständlichem „sozialistischen“ Deutsch verfasst war und den Augen beziehungsweise Ohren schmerzte.

Wer die Zeitreise zurück zu diesen unseligen Treffen nicht scheut, ist heute im Internet gut versorgt – einige Webverweise:

Willy Brandt1989 kam dann der Zusammenbruch des Ostblocks, viele SPD-Politiker waren in ihrer Auffassung so statisch, dass sie diesen lange nicht verstanden, so wurde von Teilen der SPD der Zehn-Punkte-Plan des „Dicken“ anfänglich hart kritisiert und das Weiterbestehen der DDR als wünschenswert behauptet. Ergänzt wurden diese innenpolitischen Debatten durch den Staatsbesuch Mitterands [4] in der DDR, wobei dieser finanzielle Hilfen anbot, um die DDR zu stabilisieren, und durch das Agitieren Margaret Thatchers gegen die Wiedervereinigung. Oskar Lafontaine, der bei einigen der SPD-SED-Treffen mitwirkte, versuchte bemerkenswerterweise den Zuzug von DDR-Bürgern nach Westdeutschland zu stoppen und scheiterte dann mit einem im Kern antideutschen Wahlprogramm kläglich als Kanzlerkandidat 1990. In der SPD schien sich einzig der aus allen Ämtern geschiedene Bundeskanzler a.D. Willy Brandt über die Wiedervereinigung zu freuen.


[1] oder Leserin
[2] oder wegen seiner Kopfform „Birne“
[3] formal trafen sich die „Grundwertekommission der SPD“ mit der „Akademie für Geisteswissenschaften im ZK der SED“
[4] der das Zitat „Ich liebe Deutschland! – so sehr, dass ich mich freue, dass es zwei davon gibt.“ zu personifizieren schien

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