Webbär – das kleine Webmagazin

23.August 2009

Hitler kein kleines Würstchen

Neben der Theorie der Banalität des Bösen gibt es die Theorie, dass Adolf Hitler ein „kleines Würstchen“ gewesen ist, auf das das deutsche Volk „reingefallen“ ist. Der bekannte Journalist Henryk M. Broder äußert sich dementsprechend in einem WELTWOCHE-Artikel. Bemühungen Hitler lächerlich zu machen gibt es seitdem er in die Öffentlichkeit trat; Hitler war immer der ungebildete Dummkopf, der Schreihals oder der „böhmische Gefreiter“, bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang der Film Der große Diktator.

Einen anderen Hitler erlebt man in diesem Tondokument:

Illustrierend ist hierzu dieses WochenschauDokument.
Warum soll das Böse banal sein, warum Hitler ein dummer Mensch?

3 Kommentare »

  1. Man könnte tatsächlich sagen der Film mit Charlie Chaplin „Der grosse Diktator“ hättte Hitler lächerlich dargestellt. Und in der Tat handelte es sich bei diesem Film um eine satirische Persiflage auf das damalige 3.Reich.
    Man muss sich vergegenwärtigen, dass dieser Film 1939/1940 entstand.
    Danach galt es lange als Tabu, Ironie, Satire mit dem 3.Reich in Verbindung zu bringen. Die Ernsthaftigkeit „verbot“ es, angesichts der Greueltaten und des Ausmasses des Krieges zu lachen.
    Erst die Komiker-Truppe „Monty Phyton“ wagt es in der Episoden-Reihe „Flying Circus“ Hitler als lächerliche Figur darzusetellen.

    Es ist halt nun tatsächlich so, dass Hitler bis zu seinem politischen Werdegang ein ziemlich erfolgloser Mann war. Nur Wut, verdrehte Rhetorik, Hass und konsequente Durchführung in Machtspielereien ermöglichten es ihm, in der Politik auf Anklang zu stossen.
    Hannah Arendts Schilderungen und Überlegungen in welchen sie zum Schluss kam das Böse liege im Banalen, lag zwar nahe und doch schien sie noch befangen von ihrer eignen Geschichte, von ihren Entteuschungen ehemaliger vertrauter Personen. „Eichmann in Jerusalem“ schilderte ein Phänomen, welches sie selber nicht zu sehen, zu erkennen schien.
    Nämlich wie der bekannte Psychologe Arno Gruen direkt auf diese Thematik meinte : Die Fähigkeit Empfindungen vorzugaukeln. Empfindungen welche in der Tat im Banalen geäussert werden.

    Soziologogische Experimente wie etwa das berühmte „Milgram-Experiment“ zeigten zudem bereits in den 50er Jahren auf, dass das Böse in erster Linie aus Unfähigkeit entseht.
    Eine Unfähigkeit wie sie nämlich bereits Erich Fromm 1939/1940 erkannte : die Täuschungen die wir im Konformismus erliegen. Arno Gruen’s „Wahnsinn des Realismus“ brachte diese Unfähigkeit auf den Punkt.
    Hitler profitierte gewiss von der damaligen Instabilität des deutschen Staates, profitierte von der Armut, von der Wut der Bevölkerung auf das Etablishment. Hitler’s und dessen Mannen Erfolg lag jedoch vielmehr in deren Konsequenz der Duchführung sowie in der Unfähigkeit der Bevölkerung nicht erkennen zu wollen, dass Hilter nicht Freiräume schaffen wird, sondern sie selber in Knechtschaft und Verderben führen wird.
    So brachte er die Bevölkerung dazu, sich selber zu verleugnen, gegen sich selber auszuspielen.
    In seiner Rhetorik sprach er genau diese Aspekte an, welche jedem Menschen äusserst zentral sind. Die Identität.

    Er zog die Leute an, indem er nicht nur wirtschaftlichen Aufschwung verspach (was jas schliesslich jeder Politiker tut und dieses oft genannte Argument in dieser Thematik nicht zählt), sondern weil er ihnen versprach, ihnen eine Identität „zurückzugeben“ welche sie scheinbar verloren hätten.
    Eine Identität welche sich durchzog von der Herkunft des Individuums bis hin zum Staat. So erreichte er eine Gleichsetzung von Individuum und Staat.
    Sieht man genau hin so erkennt man leichtens, dass dieser Effekt in absolutistischen, diktatorischen Systemen stets angestrebt wird.
    Die verinnerlichte Gleichsetzung von Individuum und Staat ermöglichte es auch, ein Feindbild zu konstruieren, welches sich selber in diesem Staat befand. Missgedeutete Mythologie war das propagandistische Werkzeug dies zu erreichen.

    Die Deutschen der damaligen Dekade waren nicht dümmer oder unmoralischer als es Bevölkerungen in anderen Staaten gewesen wären.
    Dies heisst aber auch, dass sie weder Opfer ihrer selbst wurden, noch überhaupt dass sie Opfer gemacht wurden. Sie liessen sich instrumentalisieren. Und zwar freiwillig. Man sah die Unmoralität, hielt sie jedoch für moralisch korrekt. Dazu noch Bevölkerung welche für ihre Mentalität des Kritisierens am Staat bekannt ist. Das fällt auf. Und genau in diesem Moment der Geschichte versagte diese Mentalität. Hier erweist sich die Begründung der Selbstentfremdung tatsächlich richtig.

    Das Böse fand an dem Punkt statt, an dem das Böse ignoriert wurde. Das Leiden eines vermeintlich aussenstehenden Teil der Bevölkerung wurde hingommen, indem man sich selber als Leidender betrachtete und das vermeintliche Opfer sein gegen das wirkliche, tatsächliche Opfer sein gewichtete.

    Nicht nur in Deutschland, auch in den von Deutschland besetzten Gebieten, offenbarte sich dieses Phänomen. Das wirkliche Leid eines anderen Menschen hinzunehmen, in der Rechtfertgung ein eigenes Leid zu verhindern.
    Doch dieses vermeintliche eigene Leid und Opfer sein, schuf man sich eben genau damit selber! Nicht die Situation machte diese Menschen zu einem Opfer (welches sie ja verhindern versuchten), sondern sie sich selber. Indem sich diese Menschen auf die Seite der Täter stellten, verrieten sie sich gleich selber an die Täter. Lieseen sich zum Werzeug deren machen, Werkzeug dass sie eben ursprünglich nicht sein wollten. Die Angst vor Repressalien des menschenverachtenden Regimes kehrten sie um, indem sie selber Bestandteil dieser Angst wurden.

    Nein, das Böse liegt nicht wie laut Hannah Arendt im Banalen. Sondern dort, wo man sich selber entfremdet, die eigenen Ängste in die Angst selber umkehrt.

    Kommentar von genussdenker — 13.September 2009 @ 11:22

    • Vielen Dank für diese Nachricht. Die zeitversetzte Veröffentlichung ist auf eine WordPress-Einstellung für Erstkommentare zurückzuführen, Folgebeiträge werden unverzüglich veröffentlicht. Das Böse (in diesem Fall AH und die NS-Zeit) wurde, Ihren Beitrag hier natürlich ausgenommen, auch in der Folge unzureichend bearbeitet, ich gehe dbzgl. gerne mit Ihnen konform. Werde darüber noch nachdenken müssen. Beste Grüße!

      Kommentar von webbaer — 13.September 2009 @ 14:06

  2. Danke für den Hinweis wegen zeitlche Versetzung.

    Und ebenso für Ihre Ansicht zum Thema.

    Wenn man das ganze in unsere Zeit weiter führt, so ist das Erschreckende daran die nach wie vor verwendete Rhetorik von damals. Obschon man sich glaubwürdig vom damaligen Regime distanziert, tauchen doch immer wieder diese „seltsamen“ Argumente auf. Armut, Arbeitlosigkeit, situative, selbtsbedrohende Not usw. Als wäre es zB den umliegenden Ländern wirtschaftlich schlechter gegangen. Als würde die wirtschaftliche lage massivste Unmenschlickeit entschuldigen. Und : damals wurde zb den Soldaten (& anderen Mitbeteiigten) eingerichtert, es wäre ein Zeichen von Mut, wenn man die Greueltat mitmachen würde. Eben diese Situationen welche heute durch „situative, selbstbedrohende Not“ beschrieben werden. Zum einen lässt dies schon mal aufhorchen, doch viel wesentlicher ist : Es wurde (zB den NS-Soldaten) nicht Mut gemacht, für etwas zu kämpfen, sondern sich selbst zu überwinden. Die eigene Menschlichkeit zu überwinden . . .
    Denn der wahre Mut hätte konsequenterweise verlangt, gegen das Regime zu handeln. Doch man gab nach, stellte sich wie obig erwähnt, auf die Seite der Angst.

    Fazit : Arendt hatte zwar nicht unrecht mit ihrem „Das Böse aus dem Banalen“, sondern sie übersah wohl, dass das Banale nicht der Ursprung ist, sondern „lediglich“ das Mittel.

    Wünsche noch einen angenehmen Sonntag🙂

    Kommentar von genussdenker — 13.September 2009 @ 15:21


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